Die Altersteilzeitregelung ist ein politisches Auslaufmodell – mit ihrer Abschaffung in 2010 wird auch die Illusion begraben, dass die rasante Alterung der Belegschaften durch eine solche staatlich geförderte Verjüngungskur nachhaltig gestoppt werden kann. Bereits heute ist etwa ein Drittel aller Mitarbeiter zwischen 50 und 65 Jahre. Eine besonders einschneidende Veränderung der Altersstruktur erwartet die deutsche Wirtschaft zwischen 2017 und 2024. In diesem Zeitraum wird das Erwerbspersonenpotenzial jeweils zu 40 Prozent aus 30- bis unter 50-Jährigen und aus 50- bis unter 65-Jährigen bestehen. Diese Zahlen machen deutlich: Gewinner im demographischen Wandel werden die Unternehmen sein, die ihre zukünftige Innovationskraft, Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit sichern, indem sie die Produktivität ihrer Mitarbeiter bis zum Erreichen des Rentenalters erhalten.
Wie gut Unternehmen in Deutschland für die Bewältigung dieser Aufgabe gewappnet sind, können sie jetzt mit Hilfe eines praxisnahen und gleichzeitig wissenschaftlich basierten AGE CERT Selbstchecks ermitteln. Der gewichtete Fragebogen erhebt 75 Kriterien für eine demographie-gerechte Personalentwicklung in den unternehmerischen Handlungsfeldern Arbeitsgestaltung, Laufbahngestaltung, Förderung des Gesundheitsverhaltens, Weiterbildung und Gratifikations- und Anreizgestaltung.
Wissenschaftliche Grundlage für den Selbstcheck ist das so genannte „Age Management“, auf Deutsch betriebliches Altersmanagement. Ziel ist es, das Potential älter werdender Mitarbeiter stärker als bisher zu nutzen. Durch Motivation, Qualifikation und Gesundheit soll ihre Leistungs- und Einsatzfähigkeit bis zum Eintritt des Rentenalters im Sinne des Unternehmens erhalten bleiben. Dabei wird zum Beispiel „jungem“ und „altem“ Wissen derselbe Stellenwert beigemessen, Arbeitsstrukturen und -abläufe werden altersgerecht gestaltet und so Kosten für Fehlzeiten, Fluktuation und Personalbeschaffung nachhaltig reduziert.
Da bisher weder ein einheitliches, in der Praxis etabliertes Konzept für betriebliches Altersmanagement existierte, noch eine theoretische Lehre mit klar umrissenen Handlungsgrundsätzen, Methoden und Instrumenten, schließt der AGE CERT jetzt eine Lücke. Er wurde auf Basis wissenschaftlicher Studien und Forschungsbefunde vom ZAG (Zentrum für Altern und Gesellschaft an der Hochschule Vechta) entwickelt und dient zudem als Vorbereitung für die Erlangung des AGE CERT Qualitätssiegels. Im Rahmen einer Visitation wird die Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung damit in Zukunft Unternehmen für eine altersgerechte Personalentwicklung auszeichnen. Der Vergabeprozess wurde in Zusammenarbeit mit dem IQPR (Institut für Qualitätssicherung in Prävention und Rehabilitation) entwickelt.